Close

Frau BM Juliane Bogner-Strauß zu Gast im DLC

Am 15. Jänner 2019 gab uns die Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß die Ehre. Sie kam direkt aus Strassburg zu uns in die Hafen Lounge, um nach einem interessanten Vortrag über Frauen in männerdominierten Berufen, einer munteren Schar interessierter Frauen in der „Männerdomäne“ Logistik Frage und Antwort zu stehen.

Bogner-Strauß stammt selbst aus eine Bauernfamilie in der Südsteiermark. Der Weg für ihre Brüder war klar: Einer würde den Hof übernehmen. Sie wurde in ihrer Familie jedoch gleich wie ihre Brüder behandelt. Sie besuchte ein Gymnasium, was damals in vergleichbaren Familien noch nicht unbedingt üblich war. Dort entdeckte sie durch ihre engagierte Chemieprofessorin das Interesse und die Liebe zur Chemie. Aus ihrer Klasse studierten aufgrund dessen gleich mehrere Mädchen naturwissenschaftliche Fächer. Sie selbst hat an der Universität Graz Chemie studiert und sich in der Männerdomäne Universität durchgekämpft. Später bekam sie ausgerechnet an der Technischen Universität Graz eine Forschungs- und Professorenstelle. Die Kinderbetreuung und Haushaltsführung sei bei ihr von Anfang an zwischen ihr und ihrem Mann aufgeteilt worden, was für sie und ihren Mann immer selbstverständlich gewesen sei. Im Moment würde jedoch er mehr einbringen, um ihr den Rücken für ihre sehr zeitaufwändige Funktion als Mitglied der Regierung frei zu halten.

Nachfolgend eine Zusammenfassung des Vortrages von BM Bogner-Strauß

BM Bogner-Strauß zitierte Studien nach denen noch immer mehr als die Hälfte der Mädchen, ihre Lehre aus nur drei – meist schlecht bezahlten – Dienstleistungsberufen wählen:
Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin.

Während die drei beliebtesten Lehrberufe bei jungen Männern weiterhin die besser bezahlten Berufe wie Metalltechniker, Elektrotechniker und Kraftfahrzeugtechniker seien.

Dieser Trend setze sich auch beim Studium fort. Obwohl mehr als die Hälfte der MaturantInnen und StudienanfängerInnen junge Frauen seien, sei in Österreich der Anteil der studierenden Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen nach wie vor sehr gering.

Deshalb sei es Bogner-Strauß ein persönliches Anligen, die Gesellschaft für die Berufswahl von Mädchen und Frauen abseits des Mainstreams zu sensibilisieren. In Projekten soll rechtzeitig auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden und Interesse für technische und wissenschaftliche Berufe – speziell für die MINT-Fächer „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik“ – geweckt werden. Junge Frauen sollen ermutigt werden, Berufe in diesen Bereichen zu ergreifen.

Mehr Aufmerksamkeit auf MINT-Fächer für Mädchen

Deshalb sei es Bogner-Strauß ein persönliches Anligen, die Gesellschaft für die Berufswahl von Mädchen und Frauen abseits des Mainstreams zu sensibilisieren. In Projekten soll rechtzeitig auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden und Interesse für technische und wissenschaftliche Berufe – speziell für die MINT-Fächer „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik“ – geweckt werden. Junge Frauen sollen ermutigt werden, Berufe in diesen Bereichen zu ergreifen.
Ihre Vorgängerinnen hätten bereits erfolgreiche Projekte aufgesetzt, die weiter intensiviert werden sollen. Die Idee ist Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, in Ausbildungsbereiche und Berufsfelder hinein zu schnuppern, die traditionellerweise vom jeweils anderen Geschlecht dominiert würden (z.B. Girls´Day im April, Boy´s Day im November) .

Der Ansatz soll stärker in die Richtung gehen junge Männer für sogenannte „Frauenberufe“ zu begeistern. Heute fehlten vor allem in Volksschulen und Kindergärten engagierte Männer. Gerade in dieser prägenden Zeit, seien männliche Role Models wichtig, die zeigen, dass soziale Berufe nicht nur Frauensache seien.

 

Ohne Quoten geht es leider nicht!

Der Bund ginge beim Thema Frauen in Führungspositionen mit gutem Beispiel voran. In den letzten zehn Jahren stieg die Anzahl von weiblichen Führungskräften im öffentlichen Sektor von 35 % auf derzeit 46,7 %.

Dies sei einer Quotenregelung zu verdanken, die die Regierung im Jahr 2011 verbindlich festlegte. Demnach sollte sich der Frauenanteil in Aufsichtsräten von Unternehmen, an denen der Bund mit 50 % oder mehr beteiligt ist, bis Ende 2013 auf 25 Prozent und bis Ende 2018 auf 35 % erhöhen.

Nur 6 von 186 Vorständen in börsennotierten Unternehmen sind weiblich

Eine Quote die in privaten Unternehmen leider gegenläufig sei. Dort sank der Anteil von Frauen in Vorstandspositionen von 6 % 2017 auf 4,8 % im Jahr 2018. In den Aufsichtsräten stieg er leicht von 18,8 % auf 23,2 % an, liege jedoch noch immer unter der angestrebten Marke von 30 %.

 

Dies sei umso unverständlicher, da Studien zeigen würden, dass Unternehmen die Frauen in Führungspositionen bringen nachhaltig erfolgreicher und profitabler seien. Hier sei es wichtig, dass sich (männliche) Vorstände bewusst zur Förderung von Frauen bekennen. Man muss endlich ins „Tun“ kommen und dabei die Geduld nicht verlieren. Unternehmen müssten sich die Quoten selbst setzen und bewusst nach Frauen in sogenannten „Männerberufen“ suchen. Und Frauen sollten ihre Talente verstärkt selbst entdecken und sich selbst mehr zutrauen.

 

Es sei viel zu tun. Studien würden zeigen, dass Mädchen bis zum zehnten Lebensjahr in MINT-Fächern besser abschneiden als Buben. Danach kehre sich das leider um. Bogner-Strauß zitierte eine Studie der Fachhochschule Oberösterreich, Studienautorin Martina Gaisch, Professorin am Campus Hagenberg, nach der neun von zehn Mädchen aktiv von einer technischen Berufswahl abgeraten werde.

Nach wie vor würden Männerberufe mit Schmutz verbunden. Gerade die Digitalisierung bringe hier eine große Wende und Chancen für Frauen und Mädchen. IT-Berufe würden immer wichtiger und es werde in Zukunft Jobs geben, die wir heute noch gar nicht kennen. Da nach wie vor die Erziehung bei den Frauen liege, sollten vor allem diese das Interesse und die Begeisterung bei Mädchen für MINT-Fächer wecken. Eine konkrete Maßnahme dazu sei, dass bei neu eröffneten Kindergärten und Kinderkrippen eine „MINT-Ecke“ verpflichtend sei.

Eine weitere Chance zeige sich mit einer Lehre nach der Matura. Hier sei die Rate von Frauen in „Männerberufen“ besonders hoch. Mädchen und junge Frauen bräuchten oft einen zweiten Anlauf, um sich aus dem konservativen Gesellschaftskonzept, das in Österreich nach wie vor stark verbreitet ist, lösen zu können. Hier bilde der zweite Bildungsweg besondere Möglichkeiten.

 

Prekäre Situation für alleinerziehende Mütter

Nicht nur, dass Frauen schlechter bezahlte Berufe wählen und bei Gehaltsverhandlungen bescheidener seien als Männer, sei in unserer Gesellschaft Kinderbetreuung nach wie vor Frauensache. Deshalb würden fast 50 % der Frauen in Teilzeit arbeiten. Tendenz in absoluten Zahlen steigend!

Einerseits stieg die die Zahl erwerbstätiger Frauen laut Statistik Austria von 1994 bis 2017 mit 27,5 % weit stärker als die der Männer (8,3 %), diese sind jedoch immer häufiger in Teilzeitjobs. Arbeiteten 1994 nur 26 % der erwerbstägigen Frauen Teilzeit, so waren es 2017 mit 47,7 % fast die Hälfte. Zwar stieg auch die Teilzeitquote bei Männern in dieser Zeit von 4,2 % auf 11,9 %, liege aber nach wie vor auf viel niedrigerem Niveau.

 

Karrierefalle Karenz

Dazu komme, dass trotz sehr hoher Flexibilität bei der Kinderkarenz, nach wie vor nur wenige Männer diese Möglichkeiten nutzen würden. Hier gäbe es noch viel zu tun, was Information und Bewusstseinsbildung angehe. Frauen kehrten nach einer Kinderkarenz meist in schlechtere Positionen zurück. In Deutschland gäbe es ein Recht auf Vollzeit nach einer Karenz, in Österreich es ein Recht auf Teilzeit. Was im ersten Hinschauen positiv klinge, könne für Frauen schnell zur Falle werden.

Frauen brillierten heute durch immer höhere Abschlüsse, die sie noch dazu besser abschließen als Männer. Nach der Karenz blieben sie jedoch immer häufiger wieder zu Hause bzw. stiegen in Teilzeit wieder ein. Dies sei auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, weil viele Talente nicht genutzt würden. Es brauche ein bewusstes Karenzmanagement um die „Gefahr“ Männerkarenz der Frauenkarenz gleich zu stellen.

 

In Island würden acht von zehn Männer in Karenz gehen. Einer der Gründe: Wenn der Vater das nicht tut, werden der Familie drei Monate von der Karenz abgezogen.

In Österreich würden die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten nur sehr wenig wahr genommen. Der derzeit durch den Vizekanzler propagierte „Papamonat“ sei irreführend und keine Karenz, sondern ein Recht auf unbezahlten Urlaub und würde vom Staat mit € 700,00 gefördert. Lohneinbußen durch Karenz würden nur dann diskutiert, wenn es um Männer gehe. Auch hier müsse der Focus neu gesetzt werden.

 

Für Mütter und alleinerziehende Frauen sei die Kinderkarenz eine Falle, die im Alter oft ein Leben an der Armutsgrenze bedeute, weil sie nicht entsprechende Sozialversicherungsbeiträge und Jahre zusammen brächten. Hier solle man auch noch über andere Möglichkeiten nachdenken Frauen abzusichern. Der neue Familienbonus soll hierbei nur ein erster Schritt sein.

Wir sind gespannt, was die in eigenen Worten „nicht ideologische sondern pragmatische“ Frauenministerin in den nächsten Jahren tatsächlich umsetzen kann. Auf jeden Fall ist sie die erste Frauenministerin, die für männerdominierte Jobs ein echtes Vorbild ist. Wir bedanken uns bei ihr für ihre Offenheit und hoffen, sie konnte aus der anschließenden Diskussion auch einige Anregungen mitnehmen. Wir werden sie gerne wieder zu uns einladen, um von ihr persönlich zu erfahren, was sich getan hat.

Zum Gedankenaustausch in der Hafenlounge des Hafen Wien, trafen sich u.a. Doris Pulker-Rohrhofer (Hafen Wien), Romana Steko-Papousek (STEKO Trans), Beate Färber-Venz (Venz Logistik), Christine Reiterer (QuintLog e.U. – Ihr Logistik Schulungspartner), die Logistik-Managerin 2018 Ingrid Glauninger (Montan Spedition), Birgit Edlinger und Sabine Mansel (Wochenzeitung Verkehr), Hertha Angerer und Martina Neugebauer (Scan-Cargo Int. Speditionsservice GmbH), Clara Felis-Rubey (Hermes RadbotInnen), Petra Höfinger (Wiener Lokalbahnen), Sabine Zimmel (Manfred Zimmel), Waltraud Pamminger (Wiencont Container Terminal), Nadja Lötsch (DHL Logistik Service), Regina Mittermayer-Knopf (Loomis Österreich), Maria Nowak (Maria Nowak Transporte und Immobilien), Karin Schubert (Karl Kridtner) und Veronika Kessler (ÖVG – Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft).

 

 

 

Buchempfehlung:

Lutz, Barbara (Hrsg.)
Frauen in Führung
Modernität und Agilität – wie die Veränderung der Unternehmensprozesse und Kultur Innovation fördert
Verlag Springer Gabler

 

Weitere Infos zum Thema

https://derstandard.at/2000096132456/Anteil-sankNur-neun-von-186-Vorstaenden-in-Oesterreich-sind-Frauen
https://derstandard.at/2000096192857/Frauenquote-in-Unternehmen-Kulturwandel-gefragt
https://www.karriere.at/blog/frauen-teilzeit-jobs.html
https://derstandard.at/2000039000778/Fast-jede-zweite-Frau-arbeitet-mittlerweile-Teilzeit
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180525_OTS0054/befragung-unter-jungen-technikerinnen-exotinnen-mit-hoher-jobzufriedenheit
https://derstandard.at/2000093015530/Schuelerinnen-wird-vom-Informatik-Studium-abgeraten
https://newmom.at/beziehung/vaeter-in-karenz.html
http://www.frauenquote.at/
https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenquote#%C3%96sterreich
https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/arbeitsmarkt/arbeitszeit/teilzeitarbeit_teilzeitquote/index.html
https://awblog.at/teilzeit-keine-pension/

Presseartikel Internationale Verkehrszeitung

Fotocredits:

Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Christine Reiterer

Christine Reiterer

X
X